Abtrainieren – die unterschätzte Disziplin

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„Die andere Seite der Medaille“ – nirgendwo passt dieser Spruch so gut wie im Sport. Wer sportlich aktiv ist, egal in welchem Ausmaß, der ist es gewohnt, ständig in Bewegung zu sein, dabei ist es egal, ob man nun täglich mehrere Stunden trainiert oder regelmäßig mehrmals die Woche.

Aber wenn man mit dieser Routine bricht, egal ob gewollt oder ungewollt, unterschätzt man, was auf der anderen, der nicht-aktiven Seite, auf einen zukommt.

Müssen Spitzensportler immer Sport treiben?

Gerade Spitzensportler wie Weltklasseläufer Usain Bolt können nach dem Ende ihrer regulären Karriere nicht einfach von heute auf morgen damit aufhören, Sport zu treiben. Der Körper war jahrelang darauf trainiert, in Bewegung zu sein und Höchstleistungen zu liefern, nun schlagartig damit aufzuhören, kann zu großen gesundheitlichen und seelischen Problemen führen.

Leichtathletik WM 2013 Moskau 100 m Vorlauf

von Tobi 87 (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Zum einen ist es die Muskulatur, die jahrelang aufgebaut wurde. Sie verschwindet nicht von heute auf morgen und daher ist es wichtig, die Muskeln nach wie vor intensiv zu dehnen, um Verspannungen vorzubeugen. Natürlich muss man dafür nicht täglich mehrere Stunden laufen, kürzeres, aber regelmäßiges Spazieren und Hobbies, die Bewegung erfordern, sind eine gute Möglichkeit, langsam aber stetig dem Körper zu signalisieren, einen Gang runterzuschalten.

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Herzfrequenz von Otto Normalverbraucher

Auch die Herzfrequenz unterscheidet sich beim Sportler von Otto Normalverbraucher: sie ist wesentlich niedriger und muss nun langsam wieder erhöht werden. Hier gilt das Gleiche wie bei den Muskulatur, denn das Herz ist schließlich auch ein Muskel: kontinuierliches Verringern der Belastung, aber doch weiterhin ständig aktiv bleiben.

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Trainingsintensität runterfahren

Je nach vorheriger Trainingsintensität kann es rund zwei Jahre dauern, bis der Körper wieder an ein normales Maß an Aktivität gewöhnt ist, denn der Tagesablauf hat sich jetzt geändert. Weg vom Erreichen von Höchstleistungen und hin zum gesunden Lebensstil, der sich leicht ins den Alltag einbauen lässt.

Des Weiteren darf man nach dem Ende der Sportkarriere den Fokus nicht nur auf das offensichtlich Sichtbare, den Körper, legen, sondern muss auch an die Psyche der Sportler denken. Wenn sich bisher alles nur um den Sport gedreht hat, dann kann es schwer sein, diese verlorene Routine, die bei manch einem auch schlicht Leere ist, mit etwas Anderem zu füllen.

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Darum werden Spitzensportler Trainer

Daher sind viele ehemalige Spitzensportler nach dem Ende ihrer aktiven Karriere immer noch hinter den Kulissen ihrer ehemaligen Wirkungsstätte aktiv, meist als Trainer. So können sie zum Einen ihr Wissen weitergeben, zum Anderen aber auch mit ihren Zöglingen die ein oder andere Trainingseinheit für ihren Körper einlegen.

Es gibt aber auch genügend Berichte von beispielsweise Ex-Profis aus der Bundesliga, die sich nach ihrer Sportkarriere nochmal komplett umorientiert haben:
Marco Reich, ehemaliger deutsche Fußballnationalspieler, ist z.B. nochmal in die Lehre gegangen und hat sich zum Altenpfleger ausbilden lassen. Für ihn war es natürlich eine Umstellung, nun nicht mehr hauptsächlich körperlich gefordert zu sein, sondern gerade während der Schulstunden die Konzentration auf den Unterrichtsstoff zu legen. Nach kurzer Zeit hat er sich aber schnell in seinem neuen Aufgabengebiet zurechtgefunden und geht voll darin auf.

Ex-Profis aus der Bundesliga

Holger Stanislawski hat sich mit Alexander Laas (beide ehemals beim HSV) zusammen im Einzelhandel selbständig gemacht und betreibt in Hamburg einen Supermarkt. Beide haben den grünen Rasen nach wie vor präsent in ihrem Alltag, indem sie einfach ein Stück Kunstgrün in ihrem Laden für die Kunden ausgelegt haben.

Einen sportlichen Lebenswandel haben sie alle nach wie vor, wenn auch nur noch in der Freizeit und es spricht ja absolut nichts dagegen, ab und zu mal den Ball durch die Gegend zu kicken.

1 Kommentar
  1. Antworten
    YawaFit 29. August 2017 um 18:14

    Toller Artikel! Und großen Respekt an alle Sportler! Um solche Niveaus zu erreichen braucht das eine menge harte Arbeit und Disziplin.

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